Geschichte Heruliae Stockerau

geschichte1Vorläufer der Herulia war der Reichspost- Lesezirkel (1904- 1908), der ein Gegenpol zu verschiedenen nationalen Strömungen und Vereinigungen in Stockerau war. Er war katholisch orientiert. Die Mitgliedschaft sowohl bei diesem Lesezirkel als auch später bei einer Verbindung wurde mit dem Ausschluß vom Studium geahndet. Wegen Entdeckungsgefahr wurde dieser Reichspost- Lesezirkel 1908 aufgelöst.

Zu Schulbeginn (genauer am 15. September) 1908 wurde der Lesebund Herulia gegründet, der ebenso wie der Lesezirkel geheim war. Dieser Lesebund kam in seiner gesamten Erscheinungsform einer Studentenverbindung gleich: Es gab Prinzipien, Farben, Deckel, Zirkel, Convente, Kneipen usw., er war also eine Tarnorganisation des katholischen Farbstudententums. Die Farben waren Gold- Weiß- Rot mit grünem Deckel, die Kneipen wurden in Grafendorf oder Wiesen geschlagen. Aufgrund der großen Aufdeckungsgefahr wurde der Lesebund mehrmals aufgelöst. Im September 1909 wählte man den Namen Lesebund Kreuzenstein, der im Mai 1911 endgültig aufgelöst wurde. Drei der Gründungsburschen des Lesebundes Herulia waren: Karl Fally, Karl Grasser und Hans Kreutzer.

Am 19. 11. 1911 wurde die katholische deutsche Mittelschulverbindung Herulia Stockerau gegründet.

Die 4 Gründungsburschen waren:

  • Alfred Sperl v. Keiner
  • Franz Kustovny v. Stumpf
  • Eduard Leitner v. Elmar
  • Leopold Kitzler v. Roderich

Zu diesen Gründungsburschen stießen bald 12 Fuchsen (z.B. Ernst Floriani, Anton Schirmbrand und Erich Sigl), die bei der Gründungskneipe am 2. 12. 1911 rezipiert wurden. Der Name „Herulia“ wurde am Convent vom 19. 11. 1911 beschlossen, am 28. 1. 1912 der Wahlspruch „Amplius“ sowie die Farben „Rot- Weiß- Gold“. Weiters entstanden zu dieser Zeit auch die Burschen- und Fuchsenstrophe, die Statuten, etc.

Während des 1. Weltkrieges kam das Verbindungsleben zum Stillstand. Etliche Bundenbrüder mußten zum Kriegsdienst einrücken. Fünf Heruler sind im Krieg gefallen. Erst 1919 setzte wieder ein geordnetes Verbindungsleben ein. Im selben Jahr wurde in Österreich die „Koalitionsfreiheit für Mittelschüler“ beschlossen, die Verbindung konnte endlich offiziell angemeldet werden und in der Öffentlichkeit auftreten.

Anfangs der 20er Jahre zog die katholische Hochschulverbindung „Babenberg“ nach Wien und überließ der Herulia ihre Bude, die mit unserer heutigen ident ist. Bald jedoch mußte man wieder ausziehen (2. Weltkrieg!), und lange Zeit hatte die Herulia keine eigene Bude, bis sie 1961 wieder ihre Erstlingsbude zurückerhielt.

Die Zeit zwischen dem ersten Weltkrieg und 1938 brachte eine große Blütezeit der Herulia mit sich, trotz Weltwirtschaftskrise und dem Ringen der Selbstschutzverbände (Heimwehr und Schutzbund). Herulia war Mitglied des V.P.V. (Verband pennaler Verbindungen) und ab 1933 auch des MKV.

Als der Nationalsozialismus über Österreich hereinbrach, faßte man auf einem BC folgenden Beschluß:

„Aus prinzipiellen Gründen kann kein Heruler Nationalsozialist sein. Der Prinzipienbruch wird mit ‚dimissio in perpetuu cum infamia‘ geahndet!“

Am 13. März 1938 wurde die Herulia aufgrund der Herrschaft der Nationalsozialisten sistiert, sie hörte auf zu existieren. Herulia zählte im 2. Weltkrieg 16 Gefallene und Vermißte.

Im Jänner 1946 wurde die unsere Verbindung durch die AHAH

  • Josef Mayer
  • Otto Tulzer und
  • Karl Lauermann

wieder zusammengeführt und im Oktober 1946 reaktiviert. Gleichzeitig wurde der Name von „K.d.M.V.“ auf „K.ö.St.V. Herulia Stockerau“ geändert. Der erste Senior nach dem 2. Weltkrieg war Walter Grünner.

Die folgenden Semester waren sehr schwierig. Die Herulia war nach wie vor ohne Bude (bis 1961). Die Convente wurden in Extrazimmern der Gasthäuser Höllmüller, Layr, Café Gruber und Faber abgehalten. Vorübergehende Lösungen waren: ein Zimmer im Hofgebäude der Volksbank, im Gartentrakt des Café Gruber, im Gasthaus Blaschek (Kochplatz), im Gasthaus Herbeck (Platanensaal), schließlich beherbergte ein Kasten in der ÖVP- Kanzlei bzw. in einem Raum des katholischen Gesellenvereines die Utensilien Heruliae. Mit 7. 7. 1961 erhielt Herulia die heutige Bude vom Hauseigentümer vermietet.

Am 50. Stiftungsfest wurde Kbr. Außenminister Dr. Leopold Figl das Ehrenband Heruliae überreicht, am 60. Stiftungsfest erhielten die Wiedergründer Herulias das Band „Heruliae Dank“.